shanghaipaperwingsblog


Siem Reap, Tempel, Blutspenden etc.
8. März 2010, 15:45
Einsortiert unter: Kambodscha, Reisen

Phuu, wo fang ich denn jetzt zuerst an?

Ich hab ehrlichgesagt schon vergessen, an welchem Tag es nach Siem Reap losging. Jedenfalls musst ich in aller Herrgottsfrühe aufstehen, da der Bus um viertelnach Sechs eintraf. Der Hostelbesitzer war immerhin so nett und hat das Ticket organisiert. Das Hostel selber war für das Geld eher äh, eklig.

So wurden wir zum Busbahnhof gebracht und stiegen dort in einen grösseren Bus um. Die Fahrt nach Siem Reap sollte mit zwei kurzen Zwischenstopps 6h dauern.
Die Gegend war echt schön anzuschauen. Immerwieder sah man diese sandigbraungrünen Felder, ausgetrocknete Tümpel, viele Büsche und Bäume, und zwischendurch kleine Dörfer. Meistens sind die Häuser auf Pfosten gebaut, da es wohl in der Regenzeit ziemlich stark regnen kann. Die Hütten sehen echt niedlich aus! Manche sind sehr einfach, andere schon etwas aufgepeppter. Das Leben dort ist sicher nicht einfach, aber es hat irgendwie trotzdem alles eine friedliche Atmosphäre.

Am zweiten Tag in Siem Reap hat mich der sehr sympathische Tuktukfahrer zur Tempeltour abgeholt. Um 9 Uhr gings los. Ganz oben auf der Liste stand natürlich Angkor Wat – ein riiiiiesiges Gebilde mit ganz viel Land drum herum.

Die Sonne brannte schon kräftig herunter und ich trottete in Richtung Tempeleingang. Man musste jedes mal sein Ticket mit Foto vorweisen.
Im Tempel gibt es vermutlich keinen einzigen Stein, der nicht irgendeine Verzierung drauf hat! Wieviele Jahre es wohl gebraucht hat, um alles fertig zu stellen? Es gibt meterlange Wände mit Schnitzereien und jeder einzelne Pfosten hat ein Muster drauf!

Ich versuchte mir vorzustellen, wie die Menschen dort zurecht gekommen sind. Die Treppen hoch zu den Türmen kann man nämlich fast nicht hochsteigen (Wir durften eine extra Holztreppe raufkraxeln).

Ganz oben konnte man die Türme noch besser sehen. Sogar auf den Kanten standen noch irgendwelche Figuren.

 Schlapp und verschwitzt machte ich mich nach etwas mehr als einer Stunde auf den Weg zum Tuktukfahrer. Mittlerweile war es „angenehme“ 39°C. An dem Tag habe ich sicher 4 Liter getrunken. Sowas passiert sonst nie..

Weiter gings zum nächsten Tempel. Ich liebe es, auf dem Tuktuk zu sitzen und mir den Wind um die Ohren blasen zu lassen. Es ist so erfrischend und man spürt die Hitze überhaupt nicht! Ausserdem hat man eine gute Sicht auf alles.

Bayon war der nächste Stop. Das spezielle an dem Tempel ist, dass die Türme Gesichter drauf haben, die in alle vier Himmelsrichtungen schauen. Kaum hatte ich die Anlage erklommen hat sich einer wohl spontan erklärt, mein Tourguide zu sein, kam mit mir mit und erklärte mir ein paar Dinge. Dafür wollte er halt am Schluss Kohle haben. Naja. Informativ wars auf jeden Fall!
Die Steinblöcke, mit denen die Tempel gebaut wurden, haben immer einzelne Löcher drin. Er meinte, die wurden reingemacht, damit sie von den Bergen bis hierher von den Elefanten transportiert werden konnten.

Nach der kurzen Ansicht habe ich daneben noch einen riesigen Steinbuddha entdeckt, wo drei alte Mönche sassen. Sie animierten mich dazu, Räucherstäbchen anzuzünden, natürlich für einen Dollar, und danach bekam ich ein rotes Armbändchen von der Mönchin umgebunden, während sie wohl irgendein Glücksgebet vor sich hinredete, alles natürlich für einen Dollar. ;)

Nächster Halt war Ta Keo. Meiner Meinung nach der Gefährlichste. Die Treppen waren extrem steil und rutschig und man konnte sich kaum festhalten, da die Sonne die Steine beträchtlich aufgewärmt hatte. Ich setzte mich erstmal eine Weile hin, schaute meinen Reiseführer an und beobachtete die Leute, wie sie sich der Herausforderung stellten. Später versuchte ich es dann auch. Ganz oben angekommen hatte ich eigentlich nur einen Gedanken im Kopf: Wie komme ich hier wieder runter?

Der letzte Tempel war Ta Prohm. Ein ebenerdiger, mit Bäumendurchwachsener Tempel. Die Wurzeln sieht man überall auf den Mauern. Sieht eigentlich sehr schön aus und ist auch ein echt idyllischer Ort.

Naja, zurück im Hostel hab ich dann realisiert, dass ich mir nen fetten Sonnenbrand geholt hab. Aber ist nach zwei Tagen eigentlich schon braun geworden und meine Schuhe sind jetzt eher grau als schwarz.

Hab zwischendurch ein paar Tempel ausgelassen, aber ein Tag lang Besichtigung reicht völlig aus.

Abends hab ich mir die Vorstellung von Dr. Beat Richner im Kinderkrankenhaus angesehen. Er spielt auf seinem Cello und erzählt von den Kindern im Krankenhaus und ruft zum spenden auf. Das Spezielle ist, dass die Kambodschanischen Kinder dort gratis Behandlung kriegen, weil 80% der Bevölkerung Bauern sind. Sie verdienen ungefähr 0.5 Dollar im Tag. Sie könnten sich also niemals einen Aufenthalt im Spital leisten.
Ich hab 20USD dagelassen und bin am nächsten Tag zum Blutspenden gegangen. Das war sowas von unkompliziert. In der Schweiz muss man etliche Zettel vorher ausfüllen und wenn nur etwas nicht übereinstimmt, dann darf man wieder gehen. War ganz easy. Hab mich auch nicht komisch gefühlt danach. Aber dafür dann einen ausgiebigen Mittagsschlaf gemacht ;)

Vor dem Blutspenden habe ich das Landminenmuseum und die Butterflyfarm besucht. Das Museum ist relativ klein aber es zeigt eindrücklich, wie Bomben und Minen aussehen. Der Sammler hat früher als Kindersoldat Minen gelegt und heute als erwachsener hilft er, diese zu entschärfen.

Der schönere Teil des Tages war die Butterflyfarm. Die Bauern von ausserhalb können dort die Schmetterlingseier abgeben und bekommen Geld dafür. Die Farm ist zwar kleiner aber viel schöner, als die in Kuala Lumpur. Man merkt, dass die Leute, die dort arbeiten, es gerne tun. Die Pflanzen sahen gepflegt aus und als „Haustiere“ rannten ein paar Wachteln rum. Bezaubernd! Der Mann, der dort arbeitete, zeigte mir die Schmetterlingseier, die kleinen und grösseren Raupen, die Puppen und natürlich die Schmetterlinge. 

Naja, nach der Farm gings zum Blutspenden, danach kurz was Mittagessen und danach Suchtshopping auf dem Centermarket. Muss heute mal die Post aufsuchen und mir wohl ein kleines Paket nach Hause schicken. Kann ja nicht sein. Der Rucksack überquillt fast!

Hier noch die Fotos:
http://german-bash.org/~boardy/gallery/main.php?g2_itemId=1666 Auf dem Weg nach Siem Riep
http://german-bash.org/~boardy/gallery/main.php?g2_itemId=1711 Tempel und anderes



Phnom Penh
4. März 2010, 17:45
Einsortiert unter: Kambodscha, Reisen

Zweiter Tag in Phnom Penh

“Wenn morgens früh der Wecker rasselt, ist der ganze Tag vermasselt.” Genau so kams mir heut morgen vor! Um 7 Uhr, ich kriegte kaum meine Augen auf, schleppte ich mich in die Dormdusche, weil aus meiner Dusche kein Wasser kam und es nur einen Griff fürs Heisswasser gab. Es war echt früh und ich wünschte mir, länger schlafen zu können.
Leider hatte ich mich überreden lassen, um 8 Uhr mit dem Tuktuk zu den “Killing Fields” zu fahren. Kurz vor 8 Uhr schaute ich nochmal auf die Handyuhr. Dann auf die Uhr am Handgelenk. So müde konnte ich doch nicht sein! Beide Uhren hatten zwei verschiedene Zeiten. Dann fiel mir ein, dass ich auf dem Handy, was ich als Wecker benutze, vergessen hatte, die Uhr eine Stunde zurück zu stellen. Es war also erst 7! War sogar zu müde, um mich darüber zu ärgern und hab mich nochmal eine Weile hingelegt. Gerädert balancierte ich die riesigen Treppenstufen hinunter. Das Gebäude hier ist echt massiv!

Der Tuktukfahrer wartete schon und kurz darauf gings los nach Choeung Ek – zu den “Killing Fields”.
Dieser Ort ist so quasi das Auschwitz Kambodschas. Vor ungefähr 30 Jahren kam Pol Pot und die Khmer Rouge an die Macht und töteten unmengen von Menschen auf diesem Areal.
In einer Stupa (Denkmal) werden 5000 Totenschädel gezeigt. Manche sind zerbrochen. Das heisst also, dass diese Menschen wohl mit einem Schlag (mit einer Schaufel oder was auch immer) gegen den Kopf umgebracht wurden.
Es ist schwer, sich vorzustellen, was da überhaupt passiert ist. Es übersteigt einfach die Vorstellungskraft.

Damit die Khmer Rouge Munition sparen konnte, wurden halt andere Gegenstände benutzt, um z.B. ganze Familien auszulöschen. Neben einem Baum stand eine Tafel, auf der geschrieben war, dass die Exekutierer Babies an den Füssen genommen und gegen den Baum geschlagen haben, um sie so zu töten.

An einem anderen Baum wurden Lautsprecher aufgehangen und Musik gespielt, damit ausserhalb keiner die Schreie hören konnte.
Man sah die ganzen ausgehobenen Massengräber und teilweise schauen dort noch Kleidungsstücke oder Knochen aus dem Boden.
Kaum zu glauben, dass an so einem idyllischen Ort so etwas passieren konnte.
Ich frag mich halt, ob wirklich keinem aufgefallen ist, was da vor sich ging?

(http://de.wikipedia.org/wiki/Killing_Fields)

Den Besuch der Killing Fields kann man gleich noch mit dem Tuol Sleng Museum verbinden.
Dies war früher mal eine Schule, bis Pol Pot, der Anführer, sie in kürzester Zeit zu einem Gefängnis umfunktionierte. Eine Frau zeigte mir die Räume der Schule und erzählte mir alles darüber. Sie hat diese Zeit selber miterlebt und im Krieg ihren Vater und ihren Bruder verloren. Es macht wahnsinnig viel aus, ob man einfach allein durch alles durchlatscht oder man jemanden hat, der etwas darüber erzählen kann.
Auf jedenfall war es mir viel bewusster, was passiert ist.

Die Schule, bzw. das Gefängnis besteht aus vier Gebäuden. Im einen wurden Ranghöhere gefangen gehalten und an einem Bett angekettet. Sie hatten eine kleine Kiste und eine kleine Schüssel als “Toilette”. Oft wurden die Gefangenen so gefoltert, dass sie an den Verletzungen erlagen.
Im ersten Stock gab es grosse Räume, in denen die Frauen und Kinder gefangen gehalten wurden.
Alle Gebäude waren mit Stacheldraht gesichert, sodass sich niemand vom Balkon stürzen konnte.
In den anderen Hallen sah man noch die kleinen Gefängnisräume oder die Fotos von den Opfern und Tätern oder Plakate mit erzählten Erlebnissen von Angehörigen der Opfer oder Täter.
Alles sehr beeindruckend und definitiv ein Besuch wert. Hab leider keine Bilder davon. Der Akku war schon auf den Killing Fields leer.
Aber andererseits ist es ganz ok keine Bilder zu haben. Fands sehr merkwürdig, Leute vor sowas lächelnd und posend zu sehn. Ein Typ setzte sich auf eine der Pritschen im Gefängnis und grinste fröhlich in die Kamera seines Kumpels. Tztz.

(http://de.wikipedia.org/wiki/Tuol-Sleng-Genozid-Museum)
Mittlerweile ist es schonwieder ein Tag später.

Der Tuktukfahrer hat heut eine Rundtour gemacht. Erst gings Richtung Königspalast. Bin aber nicht reingegangen, war mir zu teuer. Deshalb hab ich ihn gebeten, gleich mal weiter zum Wat Phnom zu fahren. Ein kleiner Hügel mit einer Stupa drauf. Der Tuktukfahrer kam auch gleich mit. Er ging mit mir rein und kaufte mir ein paar Räucherstäbchen, die wir anzündeten und dann vor dem Buddha in so eine “Schüssel” reinsteckten. Für mich war es etwas komisch, mich hinzuknien und den Leuten beim beten zuzusehn, da ich null religiös bin. Ähnlich gings mir damals bei der Taufe meines Patenkindes ;)
Es sah übrigens alles sehr kitschig aus aber trotzdem irgendwie schön, fast geheimnisvoll.


Weiter gings in Richtung Central Market. Ein riesiger Markt mit allem möglichen Gerümpel. Natürlich mussten ein, zwei Souvenirs drinliegen. Hoffentlich wird der Rucksack nicht noch schwerer! War eigentlich ganz zufrieden mit den 9kg. Hehe.
Morgen ist Abreise. Werd mit dem Bus weiter nach Siem Reap. Wird eine 5 Stunden Fahrt. Hoffentlich mit Klimaanlage ;)

Und zum Schluss: Fotos! http://german-bash.org/~boardy/gallery/main.php?g2_itemId=1496




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